Meine »sieben Zwerge«


Hektor (NZ 92)

Mister »Alpha«
April '99: Die erste Mahlzeit im neuen Revier

Hektor ist meine erste, frechste, intelligenteste und hinterhältigste Schildi. Ursprünglich sollte er ja WillI heißen (für Will Immer), aber ich zog dann doch einen halbwegs griechischen Namen für ihn vor.

Scan vom Plastron, 50kB Wie eigentlich alle meine Schildis habe ich ihn aus der Sperrmüllzeitung, in diesem Fall von einer Frau in Wildberg, die mir im teils noch kühlen April '99 neben Hund und Vögeln im Wohnzimmer auch einen Hamsterkäfiguntersatz mit Holzspänen und drei Schildkröten drin präsentierte "Zwei Dreijährige und eine Fünfjährige". Die andere 'Fünfjährige' sei gestorben, und sie wollte nur die beiden Kleinen behalten. So ungefähr habe ich's in Erinnerung. Einige Zeit später hat sie dann in einer Ausgabe des Flohmarkt zu meiner Überraschung auch noch zwei 'einjährige' Schildis angeboten. Merkwürdig. Aber ok, Hektor machte einen wirklich guten Eindruck, wie man am Foto beim »Grasen« oben deutlich sehen kann.

Die Vorbesitzer haben ihn offenbar früher oft mit der Hand gefüttert und mit den Fingern 'bespielt', jedenfalls hat er am Anfang immer wieder versucht, in meine Finger zu beißen (Tomate?). Mag das vielleicht noch so toll aussehen, solange sie klein sind, entwickelt er doch bei seiner jetzigen Größe allmählich unangenehme Kräfte in den Kiefern. Glücklicherweise scheint sich das Verhalten im Laufe der Monate wieder abzuschleifen.

»Fieberkurve« Ihn habe ich einige Wochen lang völlig verwöhnt; bis das Freigehege fertig war, gehörte ihm das Wohnzimmer, woraus man schließen darf, daß der Teppichboden ohnehin gewechselt werden sollte... Und damit er sich nicht langweilt, beschloß ich, ihm ein Weibchen zu besorgen. Kontakte oder Anlaufstellen hatte ich damals nicht, also nicht lange überlegt und eine Suchanzeige in den Sperrmüll gesetzt. Daraufhin hat sich auch prompt ein Züchter aus Pforzheim gemeldet, der mir ein passendes Weibchen anbot. Als ich ihn aufsuchte, machte dieser dann erstmal große Augen "was ist das?", griff sich Hektor, den ich für alle Fälle mitgenommen hatte, sah ihn sich gründlich an und verkündete abschließend: "der ist mindestens sieben". In dieser Größenordnung hatte er dann natürlich nichts, aber dafür baute er mir zur Anschauung eine ganze Reihe Schildkröten auf, "ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre, ...". Und dann stellte er mir zwei fünfjährige Weibchen zur Auswahl. Eine wunderschöne mit der typischen Farbgebung und eine helle, aber auch ganz süß. Beides ganz sicher Weibchen, er könne das teilweise bereits bei zweijährigen Kröten erkennen. Ich habe eine ganze Weile überlegt, dann beschlossen, die Entscheidung zu delegieren, und Hektor vor die beiden hingesetzt (jaja, ich weiß, aber von Herpes und Konsorten hatte ich damals keine Ahnung, und der Züchter erhob auch keine Einwände). Hektor hat sich dann taktisch klug verhalten und sich ebenfalls unschlüssig gezeigt. Infolgedessen entschied ich so, wie ich es bereits im Hinterkopf angedacht hatte: ich nahm beide!


Schneewittchen (NZ 94)

Schneewittchen
Juni '99: Guten Appetit!

Um es gleich vorwegzunehmen: Schneewittchen ist natürlich kein griechischer Philosoph oder Halbgott. Den Namen wählte ich, weil sie so schön und süß aussieht, eben eine »perfekte« Schildkröte.

Scan vom Plastron, 30kB Ausgerechnet sie hatte dann leider größere Umstellungsschwierigkeiten von der feuchten Terrarienhaltung beim Züchter aufs Freiland. Das nehme ich jedenfalls an, denn nach kurzer Zeit hatte die kleinere Helena (Sokrates!) die 30g Gewichtsunterschied zu Schneewittchen aufgeholt, und während Sokrates gewichtsmäßig völlig ungebremst davonzog, verschwanden bei Schneewittchen sogar die hellen Wachstumsstreifen weitgehend, es hatte eher den Anschein, als wollten sich zwischen den glatt anschließenden Plattengrenzen allmählich tiefe, rauhe Furchen bilden.



»Fieberkurve« Weder weitere Umstellungen der Nahrung (nur noch selten Tomaten, ganz zu Hektors Verdruß) noch zusätzliche Handfütterung konnten daran etwas ändern. Schneewittchen wurde etwas fetter, aber von Wachstum ist mir nichts aufgefallen. Ansonsten war sie zwar die ruhiste und gemütlichste meiner Schildis, machte aber ansonsten einen völlig gesunden Eindruck, also wartete ich erstmal ab.

Schneewittchen

Juni 2000: Ich will nich' fotographiert werden!
Gegen Herbst bin ich mit ihr dann sicherheitshalber doch zum Tierarzt. Tierärzte sind leider auch nur Menschen, und so ist es bei einem so großen Gebiet nicht weiter verwunderlich, wenn die meisten 'normalen' Tierärzte sich sicherlich hervorragend mit den 'normalen' Patienten wie Hunden, Katzen und Hamstern auskennen, bei Reptilien aber deutlich einer Fortbildung bedürfen. Sei es, weil dieser Tierarzt ein ehemaliger Schulkollege war, jedenfalls hat er mir gegenüber dann doch mehr oder weniger unverblümt zugegeben, daß er für Schildkröten alles andere als ein Experte ist. Die in Klarsichtfolie mitgebrachte Kotprobe hat er etwas gedrückt und nach optischer Sichtprüfung einfach entsorgt, um dann nach einem tiefen Blick ins Maul der Kröte letztlich doch eine Vitaminspritze zu verabreichen - die glücklicherweise folgenlos blieb.

Als ich das Monate später einer Reptilienspezialistin erzählte, hat die gleich die Hände über'm Kopf zusammengeschlagen, und mir daraufhin in einem dicken Buch unter anderem ein Foto von den Folgen einer Vitamin A - Vergiftung unter die Nase gehalten. Danach war mir erstmal schlecht. Tja, Vitaminmangel ist nicht völlig unmöglich bei Schildkröten, aber die Folgen einer Überdosierung sind hier so radikal, daß ich jedem Tierarzt, bei dem ich den Verdacht habe, daß er mangels besseren Wissens einfach eine Vitaminspritze als Verlegenheitslösung anbietet, selbige sicher aus der Hand nehmen werde. Tierärztbesuche sind gut und wichtig, aber gerade deshalb bitte nach einem ausschauhalten, der etwas von Schildkröten versteht!


Sokrates (NZ 94)

Sokrates
Juni '99: Mehr!

Sokrates hieß ursprünglich Helena. Dies wiederum war natürlich nur ein frommer Wunsch (Murphy's Law läßt grüßen). Die hinten aufgewölbten Randschilder haben mich schon etwas mißtrauisch gemacht, aber nachdem der Züchter mir ja so vollmundig versichert hatte... naja, lassen wir das! Nach dem ersten Winterschlaf bei mir wurde das kurze Schwänzchen jedenfalls in recht kurzer Zeit immer länger und länger, und es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis Socke mich mal beiseite nimmt und fragt, ob er nicht allmählich sein eigenes Revier erhalten könne. Schließlich ist es sicher nicht so toll, wenn er sich dauernd dem Alphatier unterordnen muß.

Scan vom Plastron, 30kB Eigentlich hätte ich ihm ja einen Namen aus dem Sprachschatz der Eskimos geben müssen; Seine Grenztemperatur scheint so bei 6°C zu liegen. Bei meinen vielen Kontrollblicken in das zur Winterschlafkiste umfunktionierte Schutzhaus mußte ich ihn oft nicht suchen - ringsum ein verdächtiger 'Trampelpfad', und er lag in der Mitte auf dem Heu obenauf und grinste mir munter ins Gesicht!



»Fieberkurve« Trotz der letztlich erfolgten Umquartierung in den Kühlschrank hatte er bis zur Kontrollmessung Mitte Januar 2000 über die 'Winterstarre' hinweg etwa 14% an Gewicht verloren (die anderen etwa 3 bzw. 6%), so daß ich eilends ein Terrarium konstruierte und ihn auswinterte.




Ein Neuzugang! (NZ 92)

Aphrodite
Oktober 2000: Auf Erkundung

Nachdem meine Zusammenstellung der 1,2-Gruppe ja nicht so recht geklappt hat, habe ich natürlich immer mit einem Auge nach passender Verstärkung Ausschau gehalten. Gar nicht so einfach, denn angeboten werden entweder Männchen oder Säuglinge... Nachdem ich mich schon halb damit abgefunden hatte, wohl bestimmte Züchter mit gewissen Mondpreisen in die engere Wahl ziehen zu müssen, hatte ich dann unverhofft doch noch Glück!

Scan vom Plastron, 30kB Aphrodite ist angeblich 8 Jahre alt, aber für das Alter eigentlich viel zu klein. Oder sie wurde in zu enger Umgebung gehalten. Andererseits ist der Panzer vom Aufbau her sehr schön und glatt gewachsen, und der Gesamteindruck widerspricht der offensichtlich in letzter Zeit zu proteinreichen Fütterung. Da sie einen munteren und gesunden Eindruck machte, habe ich dann gar nicht groß weiter nachgefragt - erzählen kann man mir ja viel. Ein Weibchen ist es auf jeden Fall. Dafür habe ich beim Tierarzt dann alle Register ziehen lassen - es wurde denn auch bei der 'Generalüberholung' nur ein 'komischer Pilz' im Stuhl festgestellt, so daß sich der Winterschlaf zwei Wochen verzögern wird. Ja, und der Befund vom Herpes-Test steht noch aus. Geringe Mengen an Oxyuren haben meine sowieso, das halte ich quasi für einen natürlichen Zustand, denn ich denke, der Aufwand der getrieben wird diese wirklich vollständig zu entfernen, schadet einer Schildi mehr als er ihr nützt.

Laut Vorbesitzerin ist sie von einem 'Pärchen' übriggeblieben, das vor vier Jahren unvorsichtigerweise dem Zugriff des Familienhundes ausgesetzt gewesen war. Vom anderen Tier fehlte jede Spur, und sie hat deutliche Blessuren am Panzer - und zum Glück nur da. Besonders vorne rechts fehlen etliche Millimeter der Schulterschilde, so daß sie es da wohl etwas schwerer haben wird, sich gegen allzu zudringliche Belästigung zu wehren. Ich werde wohl immer etwas mehr auf sie achten müssen, habe sie aber sofort ins Herz geschlossen!





»Fieberkurve« Stand 28.10.2001

Notabene: Oh, nochwas... die Tierärztin hat neulich bei allen drei Krötis in den Kotproben Bakterien gefunden, die eigentlich nur bei Wellensittichen vorkommen. Also: Gleich morgen werde ich im Zoogeschäft Sprechperlen kaufen, das wäre ja gelacht! ;-)


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