Das erste 'Schutzhaus' war damals allein für meine beiden Urlaubsgäste gedacht und daher eng an die Schlafstätte ihrer Notunterkunft auf Eva's Balkon angelehnt. Bei mir handelte es sich allerdings eigentlich vor allem um ein Konstrukt für die spätherbstlichen kalten Tage und damit für die sichere Überführung in den Winterschlaf. Demzufolge war der Ausgangspunkt eine microcontrollergesteuerte Fußbodenheizung, die u.A. eine Mindesttemperatur als Frostschutz garantieren sollte. Sicherheitshalber habe ich die Heizung natürlich möglichst schwach dimensioniert, und dafür eine entsprechend hohe thermische Isolation in allen Wänden, Boden und Decke vorgesehen. Die offene Ausgangsseite wurde durch Fransenvorhänge (aus so einer Art elastischen Plastikmatten für Eßtische) abgedeckt, war aber thermisch natürlich immer ein Problem.
Als Schutz gegen Wind und Wetter diente eine ganz dicke, halbtransparente Plane, die vorne weit überhing und ansonsten allseitig mit Ziegelsteinen am Boden fixiert war.
Um es kurz zu machen: Für die kalten Tage war das Häuschen ganz praktisch, aber ansonsten erwies es sich vor allem als zu klein, besonders im Eingangsbereich. Thekla hatte die Angewohnheit, durch den Eingang einfach geradeaus bis zur nicht weit entfernten hinteren Wand zu laufen, und dann erstmal dort zu parken. Aristoteles, direkt dahinter, kam dann - naja ausgesperrt war er dadurch nun nicht gerade, aber bequem vorbei kam er dann auch nicht mehr. Rechtwinklig verlaufende Wände gleich hinter dem Eingang sind demnach auch für größere Schutzhäuser keine gute Idee.
Diesen Mißstand konnte ich natürlich nicht lange mitansehen. Also folgte darauf das
Der Innenraum wurde mit 50 x 80 cm veranschlagt. Das sollte für zwei Schildkröten als Schlafplatz nun wirklich genügen.
Natürlich gibt es auch hier eine Fußbodenheizung. Nach meinen Erfahrungen mit der ersten Heizung konnte ich die maximale Heizleistung nochmal um ein Drittel reduzieren, und die beheizte Fläche beschränkt sich nun auf einen Teilbereich des Bodens, so das die Schildis es nach Wunsch auch jederzeit etwas kühler haben können.
Den Fransenvorhang habe ich unverändert übernommen, nun allerdings in einer passenderen Farbe. Ein zweiter Vorhang im Innenraum von der Decke bis kurz über den Boden trennt in einen vorderen und hinteren Bereich, als zusätzliches Hindernis gegen Konvektion und Wind durch die weit offene Vorderfront. Anfangs hatte ich nämlich auch nicht genug Heu, um die ganze Kiste bis ganz nach oben zu füllen.
In der Mitte der Rückwand befindet sich nochmal ein kleiner Raumteiler aus Holz als zusätzlicher Belästigungsschutz.
Der Innenteil besteht aus 6mm Furnierpappel, verbunden über Dreiecksleisten, und läßt sich nach Aufklappen des Deckels an zwei Griffen leicht herausheben - das erleichtert die Reinigung nämlich ganz erheblich, und man kann ihn dann auch einfach in der Sonne trocknen lassen.
Das ganze Schutzhaus an sich ist natürlich in dieser Form nicht wetterfest und verdient daher die Bezeichnung nur bedingt. Deshalb kommt natürlich noch ein dedizierter Wetterschutz dazu:
Als Wetterschutz dient eine dreiseitige Umbauung (ca. 90 x 120 cm) mit Deckel aus Kanthölzern und einer stabilen, transparenten Plane. Diese ist sturmfest auf ein Fundament geschraubt, dessen Pfähle fast einen Meter in den Boden reichen (uff!) In die Plane war mein neuer Schlafzimmerteppich eingewickelt; manchmal, leider viel zu selten, fallen einem die benötigten Materialien doch praktisch wie von selbst in die Hände.
Der Deckel ist durch zwei Kistenverschlüsse gesichert. Im Sommer hatte ich im Deckel wegen der starken Aufheizung noch Alufolie verlegt.
Für die nächste Saison kommt trotz der dadurch erschwerten Begehbarkeit noch eine zusätzlich bei Bedarf einhängbare Frontseite hinzu (mit Auslaß natürlich). Und ich muß mir Gedanken über's Material machen. Die Kanthölzer hatte ich zugunsten der Schildis und wegen der vorhandenen Plane unbehandelt gelassen, sehe aber inzwischen Problemstellen, vielleicht durch Kondenswasser.
Früher oder später kommen natürlich die ersten Rückblicke, was an den Konstrukten denn nun eigentlich wirklich sinnvoll für die Schildis ist, und was eher den eigenen Wunschvorstellungen an Optik und Design Genüge leistet. Das fing bei mir mit den Gedanken über die Erfahrungen mit den Plastikvorhängen an... nunja! Ich bin mir jedenfalls sicher, daß ich auch jetzt noch weit von meinem »endgültigen Entwurf« entfernt bin.
Wer nach vergleichsweise perfekten Bauten sucht, den möchte ich an dieser Stelle z.B. zu Martin Bächmanns 'Luxusvillen' für Landschildkröten querverweisen.