...jedenfalls der Ort, wo das Futter aus dem Boden wächst und auch manchmal wie von (Zauber)hand sanft aus dem Himmel herabschwebt.
Mein Interesse für Schildkröten begann eigentlich ganz zufällig. Eva hatte eine Zeitlang für ihre Schildkröten keinen Gartenbereich zur Verfügung. Ich schon, wenn auch nicht für Schildis ausgelegt. Daraufhin kam dann immer öfter das "Krötentaxi" zum Ausflug aus dem Notgehege auf dem Balkon. Zur Urlaubszeit nahm ich sie dann bis Ende September oder so ganz mit zu mir. Mit 20 Meter Maschendrahtzaun, etlichen Pfosten und Zeltheringen entstand damals das erste provisorische Gehege um ein verwilderndes Stück Rasen, ein wucherndes aber geplündertes ehemaliges Blumenbeet, und eine Fichte:
Das ehem. Blumenbeet war durch die radikal entnommenen Zierpflanzen doch recht hügelig geworden und diente als Kletterlandschaft. Vor allem das große Loch in der Mitte durch den entfernten Busch wurde, mit einem Schattendach aus Gras versehen, gerne als kurzfristiger Ruheplatz angenommen. Über die Mittagshitze hinweg bot die Fichte Halbschatten und Schatten, und abends konnte man drauf wetten, das die Kröten sich irgendwo in der lockeren Bodenkrume in Stammnähe versteckten. Anfangs hatte ich Bedenken wegen der Nadeln, aber den Schildis macht das offenbar überhaupt nichts aus. Gestochen hat sich da nur einer, nämlich ich bei der Gehegepflege an einer rausgerissenen Distel.
Bedingt durch bauliche Veränderungen mußte das Freigehege etwas wandern. Der neue Platz war windgeschützter, hatte leider aber auch etwas mehr Schatten. Die wärmeliebenden Tiere waren denn auch überwiegend im sonnigen Drittel zu finden. Ein ebenfalls angebotener kleiner Sandhügel1), den ich mangels besseren Wissens nach optischem Gutdünken statt an der sonnigsten Stelle plaziert hatte, wurde natürlich gemieden.
Das Gras ließ ich natürlich dann verwildern; als etwas unschön erwies sich trotzdem alsbald die abwechslungsarme Rasenfläche, die den Schildis offensichtlich trotz der Bäume etwas zu ungeschützt, zu offen zu sein schien.
Beim Stichwort Tuja bin ich schon mehr als einmal einem Stirnrunzeln begegnet. Das Zeug ist ja anscheinend giftig. Allerdings ist mir auch noch nicht untergekommen, daß die Schildis jemals auch nur davon gekostet hätten. Da der Aufenthalt unter der Tujahecke ihnen aber offenbar durchaus behagte, habe ich ihnen auch einen großen Haufen handverlesenen Heckenverschnitt angeboten, in den sie sich in den herbstlicheren Tagen oft reingekuschelt haben. Das Material habe ich dann zeitweise auch mal im ersten Schutzhaus mitverwendet. Zur Not geht das wohl als kurzfristiger Behelf, inzwischen bin ich aber wieder völlig davon abgekommen; ich denke, getrocknetes Gras ist einfach doch gesünder.
Im Frühjahr '99 entschloß ich mich, auch selbst Schildkröten zu halten. Damit einher ging notwendigerweise als erstes auch eine komplette Reorganisation des Freigeheges. In meinem alten Job konnte ich viel Programmierarbeit daheim am Computer erledigen und nebenher ein Auge auf die Schildis haben, oder ihnen zwischendurch als Pause einen bewachten Ausflug aus dem Gehegebereich gönnen;
das hatten sie ohnehin am liebsten: lange Strecken mehr oder weniger geradeaus unbekannte Gefilde erkunden (meist Richtung südwest). Das alles würde bald nicht mehr möglich sein. Auf der an den Garten angrenzenden Wiese sollte irgendwann gebaut werden, so daß dieses Ausflugsziel wegfiel. Zeit also, ein neues Gehege anzulegen, das den Schildis genug Sonne und Abwechslung bietet, und hinreichend sicher angelegt ist.
Ursprünglich geplant war eine Mixtur: ein großer, ausbruchssicher gemachter normaler Gartenbereich, und ein dediziertes Freigehege nur für die Krötis, mit einer Verbindung dazwischen. Zufällig hatte meine Schwester gerade eine Schilfrohrmatte übrig, die ich in langen, zu etwa 50 cm Höhe zersägten Streifen entlang des Zaunes zu 10 bis 15 cm in die Erde versenkte. Solange die Schildis nicht Treppensteigen lernen, war damit der untere Gartenbereich dicht.
Im oberen Garten entstand ein gesicherter Bereich nur für die Schildkröten, der ganz nach ihrem Bedarf gestaltet wurde - hoffe ich. Für den Anfang wurde ein etwa sechs Quadratmeter großes Gebiet abgezäunt, und um den Rotahorn in der Mitte herum drei kleinere Buchsbäumchen2) und ein paar Farne verteilt. Danach pflanzte ich Rasen, Löwenzahn, Spitzwegerich und alles sonstige an Unkraut an, wofür die Schildis Interesse zeigten, meist in Form ausgestochener Rasenstücke aus dem restlichen Garten zusammengeholt. Mehr zufällig entstand dadurch als nützlicher Nebeneffekt ein doch bereits recht hügeliges Terrain.
Nebenbei bemerkt hätte ich übrigens wesentlich mehr Kleeflächen anlegen sollen - irgendwie gingen diese zur Neige (abgegrast? oder vielleicht doch noch zu wenig gegossen?), was folgerichtig doch wieder zu täglichen Ausflügen in den unteren Garten führte, was wiederum Aufwand bedeutete, denn das mit der Verbindung der beiden Bereiche mußte ich erstmal zurückstellen. Nachdem Hektor und Aristoteles ihre ständigen heftigen Revierkämpfe einfach nicht einstellen wollten, habe ich die beiden "Familien" schweren Herzens getrennt untergebracht.
Und wo wir schonmal bei den Fehlern sind: Die auch im Freigehege entlang zweier Seiten in die Erde versenkten Streifen aus der zersägten Schilfrohr-/Bastmatte zum Beispiel sollten vor allem einen zusätzlichen Sicht- und Buddelschutz aus natürlichem Material abgeben. War im Prinzip eine gute Idee. Allerdings sehen die Krötis durch nur eine Lage stellenweise doch noch prima zwischen den Holmen durch und tigern an diesen Stellen auf und ab, denn da muß es ja doch irgendwie weitergehen... Und die Witterungsbeständigkeit hatte ich mir auch etwas höher erhofft.
Im Augenblick haben meine Drei mit dem Thema Graben gar nichts am Hut. Allerdings inspizieren sie im zweiten Gehegebereich immer aufmerksam und wohlwollend die frischen Schlafhöhlen von Wühlspezialist Aristoteles, der ab und zu gerne mal 'draußen' übernachtet, und dafür u.A. den lockeren Wurzelbereich einer Hecke schamlos unterhöhlt.
Inzwischen ist der Bau auf dem Nachbargrundstück fertig, und wie ich schon berechnet/befürchtet habe, macht der Schattenwurf eine erneute Verlegung des Freigeheges notwendig, um nicht nur im Hochsommer genügend Sonne zu bieten. War ja klar. Aber gut, damit ergibt sich wenigstens die Gelegenheit, das Ganze von Grund auf noch etwas professioneller anzulegen.
1)
Ursprünglich hatte ich diesen Hügel als Experiment gedacht, als alternatives Angebot zum Klettern und Sonnen. Fazit: Völlig ungeeignet, sogar eher gefährlich, wenn ich an diverse Röntgenbilder mit sand- und kieselgefülltem (verstopften) Verdauungstrakt denke. Und als Legehügel wäre reiner Sand auch das ganz falsche Material, ein Erde-Sand-Gemisch sollte es sein, das nicht schon beim Graben wieder in sich zusammenfällt.
Auch ist Sand nicht gleich Sand; der hier verwendet Quarzsand war offenbar der ganz falsche...
2) Nachtrag: Dieser Buchsbaum oder auch buxus 'haut-sogar-Schweine-um' sempervirens kann von genügend ausgehungerten Schildis durchaus gefressen werden, was dann ganz fatale Folgen hat. Die buxis flogen daher bei mir sicherheitshalber allesamt aus dem Schildibereich raus!
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