Als ich bei der Kontrollmessung Mitte Januar 2000 wie eigentlich schon leise befürchtet feststellte, daß meine »arktische« Schildkröte Sokrates über die Winter'starre' hinweg mehr als 13 Prozent ihres Gewichts verloren hatte, beschloß ich, ihn schnellstens auszuwintern.
Wohnzimmer abteilen? Nein, nicht schon wieder! Nein! Nein! (mal ganz davon abgesehen, daß das auch für die Schildkröten nicht sonderlich gesund ist (Zugluft etc.)) Damit wurde natürlich ganz plötzlich und unerwartet der Bedarf nach einem Terrarium aktuell! Dunkel erinnerte ich mich an eine Internetseite über die Konstruktion eines großen Terrariums aus Holzplatten, über die ich mal zufällig gestolpert war (vgl. www.geochelone.de, dort Anlagen -> Innenterrariun -> Bauanleitung ). Dort ging es um eine Unterkunft für Pantherschildkröten, aber was denen vom Platz her ausreicht, sollte meinen AmLiebstenGeradeausLäufer-boettgeris doch auch als Übergangslösung genügen.
Gleichzeitig erinnerte ich mich an eine große Holztafel (Preßspanplatte 2m², 19mm stark), die ich mir am Anfang meines Studiums in der irrigen Annahme zugelegt hatte, ich könnte sowas bestimmt gut verwenden. Bezeichnenderweise standen da dann zuletzt monatelang dieselben Gleichungen drauf und staubten vor sich hin... Lagrangegleichungen über die Schwingungen eines Rasierspiegels oder so...
Anyway... als Grundplatte für's Terrarium aber war das Ding nun wirklich ideal! Also nix wie eine Skizze aufs Papier geworfen, und dann anschließend so achtmal geändert. Die Platte habe ich wegen der Unhandlichkeit dann doch in zwei Hälften zersägt, spätestens dadurch wurden dann 6 Füße geplant, usw. Nur in der Höhe habe ich mich rückblickend vertan: Genau richtig zum drauflehnen und heineinsehen, aber für den optimalen Sonneneinfall durchs Fenster hätten die Füße besser 15 cm niedriger ausfallen sollen. Naja, kürzen läßt es sich ja immer...und im Sommer wird es ja wieder weitgehend zerlegt... Oh, nochwas: wenn ich mir heute etwas vom millimetergenauen Holzzuschnitt beim Baumarkt hole, lasse ich ausdrücklich keinen Zweifel mehr daran, daß ich es auch millimetergenau nachmesse, gerade bei solchen Teilen ist es doch sehr ärgerlich, wenn man - wie schonmal gehabt - auf einen Spezialisten stößt, der für drei identische 25 breite Teile offenbar erstmal ein Stück zu 75 abmißt und von diesem dann zweimal 25 abtrennt - das dritte muß dann ja wohl auch stimmen... ;-)
Den fertig zusammengezimmerten Kasten habe ich anschließend mit einer Kunststoffplane ausgekleidet, die an den Wänden mit einer innen umlaufenden Holzleiste fixiert wurde (Nachtrag: wenn auf der Plane nicht ausdrücklich »schildifest« aufgedruckt ist, darf sie im Zweifel ruhig etwas stärker ausfallen... :-) ).
Nachdem ich schonmal ein begrenzt mobiles Schutzhaus habe, findet dieses natürlich auch Verwendung im Terrarium, solange es nicht draußen benötigt wird.
Zwei Drittel des Terrariums habe ich dann erstmal provisorisch mit Plexiglasplatten abgedeckt, als zusätzlicher Schutz vor Überklettern der Wände, gegen Zugluft und für die bessere Speicherung der Wärme, die von der Schreibtischlampe erzeugt wurde. Auf die Ecken kamen dann nochmal kleine schwere Brettchen und ein Blumentopf.
Die provisorisch aufgelegten Plexiglasplatten sind schon praktisch, aber sie sehen weder sonderlich toll aus, noch ist dies eine dauerhafte Lösung, die Hand und Fuß hat. Das geht los mit dem allmählichen Verkratzen beim ständigen Verrücken der Platten, dann erreichen die Schildis beim Klettern auf den Korkrinden durchaus die »Decke«, mit allen sich daraus ergebenden Folgen...
Spätestens jedoch, sobald das Terrarium seine eigene richtige Beleuchtung bekommen soll, wird der Weiterbau oben doch recht abenteuerlich. Und das Ganze muß ja auch nicht unbedingt endgültig wie Kraut und Rüben aussehen.
Folgerichtig tauchen recht schnell die ersten Faustskizzen für »was Richtiges« auf, die ich hier jedoch lieber unterschlage... und stattdessen gleich die digitalen Ansichten davon wiedergebe:
[kommt noch]
Tja, und dann sollte eigentlich jede Menge da reinkommen. Mit dem Substrat habe ich dann mangels besseren Wissens experimentiert - und bin prompt damit auf die Schnauze gefallen;
Später probierte ich dann auch diese gepreßten Kokosfaserbriketts aus. In der Schildi-Szene prallten die Meinungen über dieses Substrat einst heftig aufeinander, da es mehrere Produkte von diversen Herstellern gibt, von denen leider viele nicht empfehlenswert sind. Das fängt schon beim subjektiven Geruchstest an... . Nachdem ich aufgrund vieler guter Kritiken die in Eva's Online-Shop unter »Zubehör« angebotene Sorte als ok eingestuft hatte, habe ich mich auch mit einem ganzen Karton davon eingedeckt, um endlich das immer noch eingesetzte Reptibark abzulösen, das mir nicht nur vom Preis her auf Dauer recht suspekt vorkommt (und das ganze Terri mit Erde aus dem Garten zu versorgen ging einfach nicht). Beim Auflösen des ersten Blocks habe ich zuwenig Wasser benutzt und mußte nachbessern, danach hatte ich allerdings keine Probleme mehr, auch nicht mit dem Geruch, der soweit überhaupt vorhanden schnell verflog. Die Konsistenz ist für meinen Geschmack letztlich etwas sandig, ich hätte sie mir ein wenig trittfester gewünscht, um nicht fürchten zu müssen, daß die Schildis es in die Nasenlöcher bekommen. Diese hatten damit allerdings bislang offenbar weniger Probleme - verstopfte Nasenlöcher kenne ich bis dato nur im Zusammenhang mit Bananen oder Schnecken. Inzwischen hat mich die unnötige Sorge aber auf eine lustige Variante gebracht: ein Teil wird als Bodendecker aufgelöst, während etliche der Briketts im festen Zustand zu Kletterhügeln zusammengestellt und umfunktioniert wurden. Wenn darauf geachtet wird, daß der Boden bei diesen Kletterstellen (und auch bei der Wärmelampe) hinreichend griffig ist (etwa durch festen Erdboden oder griffige Hindernisse), damit sich die Schildis im Notfall selber wieder umdrehen können, ergeben sich da hervorragende und schnell änderbare Einrichtungsmöglichkeiten für's Terri. So hätte das den Erbauern der Pyramiden sicher auch Spaß gemacht...
Wobei man natürlich berücksichtigen muß, daß die Briketts ihre Eigenschaft als feste Blöcke bei direktem Kontakt mit feuchtem Substrat sehr schnell verlieren - bzw. zu echten Kunstwerken aufquellen!
Vor kurzem wurde in der geochelone-Mailingliste Rollrasen diskutiert. Für mich eigentlich zu dem Zeitpunkt eher uninteressant, da meine Schildis im Gegensatz zu den Tropischen ja statt ins Terri eher langsam Richtung Winterschlaf sollten.
Umso lustiger, daß kurz darauf der neueinziehende Nachbar bei mir klingelte und fragte, ob wir nicht ein paar Rollen Rollrasen gebrauchen könnten, er hätte die übrig. Klar... bevor er's wegschmeißt. Noch schnell einen Eimer Erde zusätzlich rein, und mit zwei Rollen ist das Terri ruck-zuck ausgelegt. Sieht optisch wirklich spitze aus!
Leider konnte ich nicht ermitteln, ob der Rasen denn nun pestizidbehandelt/überdüngt oder sonstwie ungeeignet für die Schildihaltung ist. Aber das ist nicht das Schlimmste: Ich habe das Ding sogar noch gegossen, weil ich dachte, daß der Rasen das braucht. Der wächst jetzt auch tatsächlich und schreit schon langsam nach dem Rasenmäher.
Aber was auch prächtig gedeiht, ist der Schimmel...